Ehrenamt nicht nur in Sonntagsreden würdigen

Veröffentlicht am 06.02.2016 in Kommunalpolitik

Ehrenamt

Da ging es teilweise schon recht heftig zur Sache: die Vöhler SPD hatte Ehrenamtler verschiedenster Art eingeladen, um darüber zu diskutieren, in welcher Weise die kommunale Politik ihnen helfen könne. Viel Kritik wurde geäußert, oft war Ratlosigkeit zu spüren.

Karl-Heinz Stadtler, Spitzenkandidat der Vöhler Sozialdemokraten für die Gemeindevertretung, hob in seinem Eingangsstatement die Bedeutung unentgeltlicher Tätigkeit für die Allgemeinheit hervor. „Die Vereine sind fast die einzigen Kulturträger der Gemeinde“, betonte er. Ohne jene Bürgerinnen und Bürger, die Konzerte oder Theaterstücke, Wanderungen und Vorträge organisieren und durchführen, wäre in den Dörfern nichts los. Als zweite Leistung der Vereine hob er hervor, dass sie ein großes Angebot der Freizeitgestaltung unterbreiten für das soziale Miteinander stehen. „Die Vereine“, so stellte er fest, „sind der Kitt, der die Menschen zusammenhält und Erwachsene wie Kinder und Jugendliche an ihre Dörfer bindet. Ein dritter Bereich der Ehrenamtlichkeit sei die Kommunalpolitik: 83 Ortsbeiratsmitglieder, 31 Gemeindevertreter und sechs Beigeordnetet – das sei doch auch eine beachtliche Zahl von Menschen, die sich und ihre Zeit unentgeltlich in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Viertens schließlich nannte Stadtler diejenigen, die Pflichtaufgaben der Gemeinde erfüllen; für die die Gemeinde – und damit der Steuer- und Gebührenzahler - also viel Geld bezahlen müsste, wenn sie nicht von Freiwilligen geleistet würden. Er nannte hier natürlich die Feuerwehren, aber auch jene Menschen, die sich seit dem vorigen Jahr so intensiv um die der Gemeinde zugewiesenen Flüchtlinge kümmern.

Den nächsten Teil des Treffens moderierte Bernd Backhaus, seit ungefähr 20 Jahren Vorsitzender des SV Buchenberg und damit selbst jemand, der allwöchentlich viele Stunden seiner Zeit für dieses Ehrenamt aufwendet. Er verteilte Zettel und Stifte und lud dazu ein, stichwortartig festzuhalten, welche Probleme und Schwierigkeiten mit Ehrenämtern verbunden sind. Zahlreiche Anwesende stellten ihre Stichwörter dann selbst vor. Am Ende der Diskussion konnte Backhaus mehr als dreißig Zettel an seiner Pinnwand zählen.

Anwesende Ortsbeiräte beklagten vor allem die geringen Einflussmöglichkeiten: sie hätten nur Beratungsrechte gegenüber dem Gemeindevorstand und erhielten oft keine Reaktion auf Vorschläge und Initiativen. Ein weiteres Problem seien die hohen Anforderungen, die an die Vereinsvorstände gestellt würden. Vorsitzende seien häufig mit Arbeit überlastet, Vereinskassierer insbesondere von größeren Vereinen bräuchten, da sie sich auch im Steuerrecht auskennen müssen, Schulungen, die oft nur in den Ballungsgebieten stattfinden. Auch Übungsleiter seien nur schwer zu rekrutieren, weil die Arbeitsdichte im Beruf, der Schichtbetrieb und Arbeit am Wochenende Möglichkeiten erheblich einschränken. Oft seien es Väter oder Mütter von Kindern oder Jugendlichen, die sich – auch in Verantwortung für die eigenen Kinder – so lange als Abteilungsleiter zur Verfügung stellen, wie ihre Zöglinge im entsprechenden Alter sind. Andere Vereinsvertreter wiederum beklagten, dass es so schwer sei zu erfahren, welche öffentlichen Mittel für welche Projekte zur Verfügung stehen. Häufig erfahre man erst durch die Berichterstattung über die Preisverleihung davon, dass man die Förderung für ein Projekt verpasst hat. Keinem der anwesenden Vereinsvertreter ging es um ein persönliches Honorar, aber es wurde durchaus kritisiert, dass sich die Politik häufig damit begnüge, bei Vereinsveranstaltungen und anderen öffentlichen Anlässen schöne Reden zu halten, während Wünsche, die die Verbesserung der Vereinsarbeit betreffen, abgelehnt werden. Eine angemessene Anerkennung für die gemeinnützige und ehrenamtliche Arbeit gebe es selten oder gar nicht.

Ortsvereinsvorsitzender Sven Bökenschmidt und Karl-Heinz Stadtler erklärten am Schluss der interessanten Veranstaltung, dass sie in Zukunft einmal im Jahr Vereinsvorständler und andere Ehrenamtliche zur Aussprache einladen wollen. Die SPD wolle Referenten aus Ämtern und Verbänden hierzu einladen, die dann über Vereinfachungen der Arbeit und mögliche Fördertöpfe informieren; vor allem aber könnten Vereine sich bei einer solchen Gelegenheit auch gegenseitig informieren und helfen. Auch über Veranstaltungsequipment kann gesprochen werden, so dass dann die eine oder andere Ausgabe entfallen kann. Sie werden der Gemeindevertretung einen Vorschlag unterbreiten, wie die öffentliche Anerkennung für gemeinnützige Arbeit aussehen kann.